Lebensmittelabgabe 2.0: Bringt das was?

Mit jedem Päckli-Durchgang im Arboner Pilotprojekt lernen wir dazu: Funktionieren die Prozesse, sind die Aufträge klar, welche Optionen können wir noch testen? Das Wichtigste aber ist: Hilft diese ganze Arbeit eigentlich jemandem?

Was bedeutet die Lebensmittelabgabe 2.0 eigentlich für die Menschen, für die wir sie gedacht haben? Von aussen betrachtet kann man sagen: Wer etwas bekommt, profitiert grundsätzlich, ist ja klar. Das ist eine gängige Sichtweise, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht: Hilfe ist nur dann effektiv, wenn sie konkrete Bedürfnisse zufriedenstellend erfüllt und keine neuen Probleme schafft.

In unserem Fall könnte das zum Beispiel heissen: Geben wir den Menschen Waren, mit denen sie nichts anfangen können, ist das nicht hilfreich und auch nicht nachhaltig. Die Chance, dass der Inhalt der Pakete am Ende entsorgt wird, wäre sehr hoch, alle beanspruchten Ressourcen futsch – und die gewollte Hilfe nur heisse Luft.

Wie wir es uns gedacht haben

Wir minimieren dieses Risiko «by design» durch einige Grundüberlegungen:

  • Jedes Paket muss Grundnahrungsmittel enthalten, die jeweils Ausgangspunkt sein können für eine oder mehrere Mahlzeiten.
  • Die Pakete sollen eine gewissen Vielfalt aufweisen, um etwas zu einem abwechslungsreichen Speiseplan beizutragen.
  • Wir weisen die Inhalte der Pakete mit der Bestellmöglichkeit detailliert aus; niemand soll die Katze im Sack kaufen müssen.
  • Unbedenkliche Dauerwaren können auch geringfügig über dem Mindesthaltbarkeitsdatum sein – doch auch das kommunizieren wir VOR der Bestellung.

Damit decken wir die Punkte ab, an die wir selber denken konnten beim Konzept. Aber da wir nicht Teil der Zielgruppe sind, reicht das nicht.

Ist es das, was die Menschen brauchen?

Im Sinne eines agilen, also beweglichen Vorgehens haben wir unsere Idee und unsere Annahmen immer und immer wieder getestet: Während des Projekt-Labors mit der Stiftung Mercator haben wir zum Beispiel Interviews geführt, um unser Grobkonzept für den Prototyp zu validieren. Wir haben den Prototyp in Communities für Menschen am Existenzminimum ausgeschrieben, um herauszufinden, ob der Idee ein Bedarf gegenüberteht – haben wir schon mal erzählt, dass wir auf 20 Einträge hofften und es nach 24 Stunden über 130 waren?

Während der Prototyp-Phase im vergangenen Winter haben wir strukturierte Befragungen durchgeführt und auch informell haben wir jede Gelegenheit genutzt, ins Gespräch zu kommen und die Idee vorzustellen, wenn sich eine Gelegenheit ergeben hat.

Auch während des nun laufenden Piloten bitten wir alle Empfängerinnen und Empfänger der Pakete um Feedback. Im Anschluss an jeden Versand gibt es einen kurzen Fragebogen und die Bitte, uns mit dieser Rückmeldung zu unterstützen. Viele der Empfängerinnen und Empfänger nehmen sich die Zeit.

Hilft es und wenn nein, warum nicht?

Wir fragen zum Beispiel ab, ob das Paket den Erwartungen entsprochen hat – aber auch, ob es wirklich ganz praktisch hilft. Die Frage sieht ähnlich aus, aber heisst nicht zwingend dasselbe: Auf die erste Frage antworten bisher 100% mit ja, auf die zweite 96%. Eine Person schreibt: «Ich habe gemerkt, dass die Waren doch nicht so gut in unsere Gewohnheiten und meine übrigen Einkäufe passen, wie ich dachte.»

Eine weitere Frage ist, ob die Personen gut damit umgehen können, dass wir gelegentlich Mindesthaltbarkeitsdaten überschreiten. Die zurückgemeldete Akzeptanz ist hoch, da wir damit proaktiv und transparent umgehen. Den Rückmeldungen entnehmen wir aber auch Dinge wie: Wenn eine Person in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt ist – zum Beispiel sehr schlecht sieht – kann das ein Hindernis sein, da sie sich eine genaue Prüfung vor dem Verzehr nicht zutraut.

…und weitermachen sollen (und wollen) wir auch

Natürlich kommen auch Rückmeldungen, die wir nicht explizit abfragen. Zum Beispiel teilen immer wieder Teilnehmende ihre Gedanken über sinnvolle Verpackung mit uns oder über die optimiale Verwertung der Waren. Und obwohl wir beim Zusammenstellen auf die Eignung der Produktliste für Mahlzeiten fokussieren, kommt auch regelmässig die Rückmeldung, dass etwas Süsses im Paket ebenfalls Freude bereitet, weil es oft sonst nicht drin läge.

Nicht zuletzt erreichen uns viele gute Wünsche und die Hoffnung, dass das Projekt fortbestehen und mehr Menschen zugute kommen kann. Daran arbeiten wir natürlich schon – wir sind gespannt, was die nächsten Wochen und Monate bringen werden.

Städte und Gemeinden, die in der Lebensmittelabgabe 2.0 Potenzial für sich sehen, können sich hier bei uns melden:

lebensmittelabgabe 2.0 – Interessierte Gemeinde oder Stadt

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