Marseille: 2400 Tonnen Lebensmittel gespendet statt entsorgt

Seit 2016 zwingt in Frankreich ein Gesetz Supermärkte dazu, überschüssige Lebensmittel zu spenden. Auch für die Systemgastronomie und für die Industrie sind in den vergangenen Jahren neue Regeln entstanden. Dieses Beispiel zeigt, wie Überschüsse aus einem Grosshandelsmarkt effektiv verwertet werden können.

7.30 Uhr in der Grossmarkthalle in Marseille: Die Haupt-Einkaufszeit am frühen Morgen ist schon vorbei, Händlerinnen und Händler sortieren aus, was nicht mehr verkauft werden kann. Anstatt die Waren zu entsorgen, stellen sie es der Organisation «Association Fruits et Légumes Solidarité» zur Verfügung. Deren Obst- und Gemüseküche verarbeitet seit Anfang 2021 täglich die Überschüsse der Markthalle.

Verarbeiten, was nicht haltbar ist

Die Organisation verteilt, was problemlos weitergegeben werden kann. Alles andere wird verkocht oder eingemacht, damit es haltbar bleibt. Damit erhöht sich der Anteil der verwendbaren Ware gegenüber der klassischen Weitergabe signifikant: Lagerzeiten entfallen und der grösste Teil der 2400 Tonnen entsorgter Überschüsse pro Jahr kann so gerettet werden.

Die Waren werden an armutsbetroffene Menschen in und um Marseille verteilt. Die Lebensmittel-Abgabestellen können die zusätzlichen Lieferungen gut gebrauchen, wie die Hilfswerke in der Schweiz bekommen auch sie zu spüren, dass der Andrang seit dem Beginn der Corona-Pandemie noch grösser geworden ist.

Investition auf allen Ebenen

Rund 800’000 Euro hat sich die lokale Regierung dieses Projekt kosten lassen. Ziel ist, dass 75% der so gesammelten und verarbeiteten Ware gespendet werden kann, mit dem Verkauf der restlichen 25% soll sich das Projekt mittelfristig selbst tragen.

Die Investition lohnt sich für alle Beteiligten: Die Händler/innen erhalten für die gespendete Ausschussware 60% des Gegenwerts bei den Steuern gutgeschrieben, während die Verschwendung der einwandfreien Nahrung drastisch minimiert wird.

Was die Empfängerinnen und Empfänger angeht, schaffen die haltbaren Produkte zusätzliche Planungssicherheit und sorgen für Abwechslung in den oft eintönigen Speiseplänen – wer kaum Geld zur Verfügung hat, ernährt sich häufig nicht sehr vielseitig. Schafft man es, die Ernährungsqualität von armutsbetroffenen Menschen zu verbessern, leistet man einen Beitrag an die öffentliche Gesundheit.

Das Projekt in Ton und Bild

ARD hat Anfang März einen Reportagebeitrag über die Foodwaste-Küchen von Marseille publiziert:


Beitrag von Friederike Hofmann, ARD Paris, 5.3.2021

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