Schlussbericht: Pilotprojekt Lebensmittelabgabe 2.0 mit regionaler Verankerung in Arbon

Wir verschwenden in der Schweiz jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen noch geniessbare Lebensmittel. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen arm, aktuell rund 660’000 Personen. Das Pilotprojekt der Lebensmittelabgabe 2.0 hilft dabei, Menschen in Armut unabhängig zu machen von Öffnungszeiten und Kapazitäten der stationären Abgabestellen.

Der vorliegende Schlussbericht wurde im Rahmen der Förderung durch die Stiftung Mercator Schweiz erstellt.

Eckdaten

  • Dauer: 1.9.2021 bis 15.12.2021
  • Versände: 10 Bestell- und Versandläufe, total 166 versandte Pakete in Arbon, 50 Pakete schweizweit zum leeren des Lagers
  • Teilnehmende: 72 registrierte Haushalte, 48 Haushalte mit mindestens einem Bezug
    • total 140 Personen
    • 25 Haushalte mit Kindern
    • 15 Haushalte beziehen zusätzlich noch vor Ort Lebensmittel
  • Bezüge: 1 bis 7 Bezüge pro Haushalt
  • Verwertete Lebensmittel: ca. 1500 kg via Paketversände
    → weitere 3 Tonnen durch entstandene Verbindungen und deren Vermittlung an karitative Partnerorganisationen

Über das Projekt

Das Projekt Lebensmittelabgabe 2.0 mit regionaler Verankerung will Lebensmittelüberschüsse zum Verzehr zugänglich machen und damit vor der Entsorgung bewahren.

Ausgangslage und Rahmenbedingungen

Jährlich werden in der Schweiz 2,8 Millionen Tonnen geniessbare Nahrung vernichtet. Die Gründe dafür sind vielfältig: Überproduktion, Änderungen in Vertrieb und Verpackung, gesundheitlich unbedenkliche Verarbeitungsfehler, fehlende Netzwerke zur Verwertung von Überschuss. Unabhängig davon ist die Verschwendung von Lebensmitteln eine hochgradige Belastung für Umwelt und Ressourcen.

Ein beliebter Ansatz ist, einen Teil der überschüssigen Waren armutsbetroffenen Menschen zukommen zu lassen. Das bestehende System weist jedoch Lücken auf: Nicht nur die allgegenwärtige Beschämung von Bedürftigen hindert viele daran, eine Abgabestelle aufzusuchen und Lebensmittel zu beziehen. Auch die enge zeitliche Begrenzung der Bezugsmöglichkeiten, mangelnde Mobilität, gesundheitliche Einschränkungen und die Kapazitätsgrenzen der jeweiligen Stellen sind Hürden.

Mehr Resilienz für das Verteilsystem

Die Krise rund um COVID-19 und der Shutdown von März bis Mai 2020 haben die inhärenten Schwächen der bisherigen Umverteilung offenbart: Wenn die stationären Abgabestellen nicht funktionieren können, findet die Verwertung der Waren nicht statt. Die Lebensmittel werden entsorgt und die darauf dringend angewiesenen Menschen gehen leer aus.

Eine dezentrale Ergänzung zu den bestehenden Angeboten, unterstützt durch Technologie für die Zugänglichkeit und Kommunikation, hilft nicht nur jenen, die bis anhin durch die Maschen fallen. Sie erhöht auch massiv das Potential, einwandfreie Lebensmittel ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen und die Ressourcen zu nutzen, die in deren Produktion, Verarbeitung und Logistik geflossen sind.

Im Rahmen der Ideen-Werkstatt «Lehren aus Corona» haben wir die Situation analysiert und einen Lösungsansatz entwickelt, der die Lebensmittelabgabe in der Schweiz auf vergleichbare Krisensituationen vorbereitet – und sie auch unter sogenannten «normalen» Umständen besser funktionieren lässt, als sie es bisher tut.

Bei der Auswertung des schweizweiten Prototyps Ende 2020 hat sich das zusätzliche Potenzial einer dezentralen, regionalen Verankerung des Projekts gezeigt. Im Rahmen des Pilotbetriebs in Arbon haben wir diese Ausrichtung und die daraus entstehenden Möglichkeiten getestet und validiert.

Meilensteine

Phase I: Medienarbeit, Ausschreibung der Pakete und erster Versand

Der Medienversand Ende Juni 2021 hat im Sommer einige Beiträge in den lokalen Medien (Zeitung, Onlineportale und TV) und eine hohe Sichtbarkeit generiert. Durch die Zusammenarbeit mit der Stadt Arbon und die Ansprache diverser Hilfs- und Unterstützungsstellen konnten wir zudem Infomaterial verteilen lassen.

→ direkt zum Medienspiegel

Vor dem ersten Bestellfenster Anfang September lagen 60 angemeldete Haushalte mit rund 160 Personen vor. Die Nachfrage lag damit deutlich über den Erwartungen. Hingegen haben wir festgestellt, dass die angesprochenen Personen in Arbon deutlich weniger digital unterwegs sind als die Vergleichszielgruppe im schweizweiten Prototyp. Entsprechend haben wir die Zahlungsmöglichkeiten erweitert und Unterstützung für den Bestell- und Bezahlprozess angeboten.

Ein regionaler Anbieter von Computerkursen bot an, den Menschen bei Bedarf unter die Arme zu greifen und wir haben ein entsprechendes Kursangebot bzw. die Nachfrage bei den angemeldeten Personen geprüft. Durch die punktuelle Unterstützung von unserer Seite und teilweise auch durch die lokalen Sozialdienste konnten wir schliesslich darauf verzichten.

Wir sehen darin jedoch eine deutliche Bestätigung für den lokalisierten Ansatz: Auftauchende Schwierigkeiten können durch die räumliche Nähe und bestehende Netzwerke vor Ort und schnell adressiert werden und es finden sich Lösungen, die z.B. auf nationaler Ebene so nicht möglich wären.

Für die Bestellung der Pakete erhielten die registrierten Personen via E-Mail die folgenden Informationen:

  • Inhalt des Pakets als Liste: Produkt, Gebindegrössen, Haltbarkeit
  • Informationen zu Bestellprozess, Unkostenbeitrag und Zahlung
  • geplantes Versanddatum

Am 7. September haben wir die ersten 28 Pakete konfektioniert und zum Versand an die Post übergeben.

Phase II: Ansprache und Austauch mit regionalen Produzenten, Versand mit regionaler Zustellung

Der regionale Pilot sollte primär testen und validieren, dass die Stärke der relativen Kleinräumigkeit – lokale und regionale Netzwerke, Verbundenheit mit der Region – in einem Kreislauf-Projekt schnell und effektiv wirken kann. In der Kommunikation haben wir stets darauf hingewiesen, dass insbesondere Überschüsse, Produktspenden und die Unterstützung regionaler Produktionsbetriebe sehr willkommen sind.

Diese Aufrufe haben schnell erste Resultate gezeigt und über die ganze Projektdauer sind immer wieder neue Kontakte entstanden.

  • Der regionale Computerclub bot Unterstützung für Menschen an, die aus technischen Gründen nicht bestellen konnten oder wollten.
  • Diverse regionale Betriebe nahmen Kontakt auf und boten überschüssige Produkte an für die Weitergabe an armutsbetroffene Personen in Arbon, zum Beispiel Honig, Convenience-Menüs, Schafmilch und Soja-Drinks
  • Der Integrationsbetrieb Basis-Station in Amriswil bot uns an, die Konfektion der Pakete zu übernehmen. Da das Programm unter anderem eine Gastronomieküche betreibt, konnten wir die Zusammenarbeit sogar erweitern (vgl. Phase III).
  • Durch direktes Ansprechen der Landwirtschaft und Produktion konnten wir Kirschen, Zwetschgen, Kürbis, Kartoffeln, Knoblauch und Brot beziehen.
  • Auf die Initiative eines in Kontakt stehenden Betriebs hat die Stadt Arbon im Laufe des Projekts eine Chatgruppe bereitgestellt, über die kurzfristig Kleinmengen von verschiedenen Produzenten oder Gastronomen vermittelt und abgegeben werden. Armutsbetroffene Menschen können sich eintragen und werden über neue Angebote benachrichtigt.

Die regionale Komponente bot zudem Potential für die Optimierung des Versands: Werden Pakete nicht über die grossen Schweizer Verteilzentren geschickt, können sie mit zunehmend frei werdenden Kapazitäten in der Briefpostzustellung regional verarbeitet werden. Das birgt mehrere Vorteile:

  • Da die Pakete keinen maschinellen Prozess durchlaufen und zuverlässig schnell verarbeitet werden, können auch gewisse Frischwaren (nicht kühlend, nicht zerbrechlich oder leicht quetschend) besser beigelegt werden, zum Beispiel Kürbis, Kartoffeln oder Äpfel.
  • Die Kosten sinken signifikant: Ein Paket von bis zu 10 kg kostet in der Zustellung noch CHF 5.00 statt regulär CHF 9.70.

Gemeinsam mit der Poststelle Arbon und der Briefzustellregion St.Gallen-Appenzell konnten wir im Rahmen des Projekts den regionalen Versand ab Arbon aufzubauen und zu optimieren.

Diese Art der Zustellung ist ein klarer Erfolg – und dies sogar während der strengsten Zeit bei der Post, kurz vor den Feiertagen. Alle Zustelldaten konnten eingehalten werden und waren für die Empfängerinnen und Empfänger wie bei der Bestellung kommuniziert planbar.

Phase III: Upgrade mit haltbar gemachten Produkten, Erweiterung Partnernetzwerk,
wöchentliche Bestellfenster

Durch die Zusammenarbeit mit dem Integrationsbetrieb Basis-Station eröffnete sich eine Möglichkeit, die wir uns immer wieder gewünscht hatten: Frischprodukte aus der Landwirtschaft haltbar zu machen. Da das Programm der Basis-Station unter anderem eine kleine Gastronomieküche betreibt, konnten wir kurzfristig Gemüse, Früchte, Brot und Milch verarbeiten lassen.

Die Pakete werden dadurch mit zusätzlichen gesunden Nahrungsmitteln ergänzt und aufgewertet, ein wichtiger Baustein unserer Vision der Lebensmittelabgabe 2.0. Dadurch, dass das im Rahmen dieses Pilotdurchgangs möglich war, konnten wir auch das Feedback der Empfängerinnen und Empfänger zu diesen Waren einholen.

Im Rahmen des nationalen Prototyps 2020 hatte uns eine zweite Organisation zu einem Teil in der Beschaffung unterstützt. Diese Kooperation kam für das regionale Projekt nicht mehr zustande. Durch den kurzfristigen und eher unerwarteten Wegfall dieses Partners waren wir sehr gefordert, neue Partnerinnen und Partner für die Beschaffung haltbarer Lebensmittel zu finden.

Wir konnten schliesslich Hero Gastronomique gewinnen, die zwei grosse Lieferungen an Produkten kurz vor der datierten Aussortierung zur Verfügung gestellt haben. Die sehr transparente Zusammenarbeit hat uns weiteren Einblick in die Abläufe und Herausforderungen auf der Produktionsseite gegeben.

Es zeigt sich zum Beispiel, dass gewisse Grundnahrungsmittel wie zum Beispiel Teigwaren oder Reis immer wieder als Überschuss auf den Markt gelangen, allerdings nicht in «verlässlicher» Regelmässigkeit. Für ein Lebensmittelpaket, das nicht beliebige Kalorien liefern, sondern bis zu einem gewissen Grad echte Mahlzeiten ermöglichen soll, sind solche Grundprodukte jedoch unerlässlich.

Diese Lücken können durch die Produktion von Teigwaren mit sehr oft vorhandenen Überschüssen aus der Eierproduktion gedeckt werden, sofern entsprechende Infrastruktur und Ressourcen in der Region vorhanden sind. Denkbar sind auch gezielte, vereinzelte Zukäufe zu guten Konditionen als Lenkungsmassnahme, um die Zweckmässigkeit der Lebensmittelpakete sicherzustellen.

Schliesslich haben wir festgestellt, dass ein Bestell- und Bezahlfenster Ende Monat zu Problemen in der Zahlung der Unkostenbeiträge führt. Unterstützungsleistungen werden häufig erst zum Monatsanfang ausbezahlt, in den Tagen zuvor sind die Budgets bis aufs letzte ausgeschöpft.

Daraufhin haben wir den Bestell- und Lieferzyklus von zweiwöchentlich auf wöchentlich umgestellt. Dies erhöhte zwar unsere Aufwände, konnte aber die Bestellsituation für die Betroffenen verbessern. Mit wenigen Ausnahmen haben die Bezügerinnen und Bezüger durchschnittlich auch nach dem Wechsel nicht öfter bestellt als zuvor, aber teils zu anderen Zeitpunkten.

Phase IV: Testlauf mit themenbasierten Paketen

Nachdem wir die Konfektionsarbeit an die Basis-Station übergeben konnten, haben wir uns entschieden, noch einen weiteren Ansatz zu testen: Themenbasierte Pakete. Verschiedene Varianten sind punktuell denkbar, zum Beispiel nach Warengruppen (unempfindliche Frischprodukte, Grundnahrungsmittel und Dauerwaren) oder nach Saison (Ostern, Herbstsaison, etc.). Für den Test haben wir ein Raclette-Themenpaket zusammengestellt, als Option für ein Weihnachtsessen mit der Kernfamilie – für viele der angemeldeten Personen keine Selbstverständlichkeit.

Aufgrund der Auslistungsdaten von Hero konnten wir abschätzen, dass wir in jedem Fall geeignete Produkte zur Verfügung haben würden. Aus früheren Erfahrungen wissen wir, dass auch Raclettekäse immer wieder in grossen Mengen als Überschuss anfällt, hier allerdings sind wir an die Grenzen der Planbarkeit gestossen: Im «richtigen» Zeitfenster war dies nicht der Fall. Wir haben hier aufgrund der begrenzten Projektlaufzeit zugekauft, über die entstandenen Kontakte jedoch weiteren Zugang zu Überschusswaren hergestellt.

Weiter haben wir das erweiterte Netzwerk via Social Media dazu aufgerufen, für das Projekt Coop-Märkli zu sammeln, denn zeitgleich gab es Raclette-Sets als Prämien. Das Resultat: Wir könnten rund 40 gespendete Rechaud-Racletteöfeli gemeinsam mit den zugehörigen Lebensmitteln in Pakete unterschiedlicher Grössen zusammenstellen und zur Bestellung ausschreiben.

Erreichungsgrad Ziele und Vision

  1. Angebot testen in einer klar definierten Region
    Zahlreiche Gespräche und Rückmeldungen zeigen: Das Angebot füllt eine Lücke, nicht nur unter den ganz besonderen Bedingungen einer Pandemie, sondern generell. Die Akzeptanz ist grundsätzlich hoch, trotz Unkostenbeitrag an Konfektion und zusätzliche Logistik. Wir stellten bei Bestell- und Bezahlfenstern Ende Monat einen Rückgang der Bestellungen fest und haben entsprechend die Frequenz an Bestellmöglichkeiten erhöht, um mehr Spielraum zu bieten. Einen Einblick in die Feedbacks gibt Anhang 2: Feedback der Bezüger/innen.
  2. Regionaler Versand
    Innerhalb der drei Monate Pilotdauer konnten wir den regionalen Versand mit der Zustellstelle Arbon testen und optimieren. Im direkten Austausch konnten einige Hürden (u.a. bessere Anliefermöglichkeiten, Probleme mit mini-Ballungsgebieten) ohne grosse Aufwände reduziert oder gar beseitigt werden. Die regionale Zustellung wurde von den Bezüger/innen sehr geschätzt, da das Lieferzeitfenster genauer/verlässlicher angegeben werden kann.
  3. Regionalität testen: Produzent/innen mit regionalen Akteur/innen vernetzen
    In der eigenen Wirtschaftsregion helfen, unterstützen und spenden ist ein relevanter Anreiz. In diesem kurzen Zeitraum hatten wir über ein Dutzend Kontakte zu regionalen Betrieben, die schlussendlich uns oder unserem karitativen Partner Produkte gespendet haben oder nun über Kontakte für Spendenmöglichkeiten von überschüssigen Lebensmitteln verfügen.Da die Zielgruppe kleiner ist als bei nationalen Angeboten, lassen sich auch kleinere Überschüsse sinnvoll verteilen und verwerten, mit überschaubarem logistischem Aufwand. Viele Betriebe spenden bisher nicht, weil die grossen karitativen Organisationen kleinere Mengen gar nicht abnehmen – obwohl sie Ihre hochwertige Ware grundsätzlich nicht entsorgen wollen.
  4. Haltbarmachen von landwirtschaftlichen Waren und Umpacken von Grossgebinden
    Landwirtschaftliche Überschüsse von Gemüse und Früchte entstehen während der Erntezeit fast täglich. Produkte, die aufgrund von Wettereinflüssen nicht in den Handel gelangen oder nicht verkauft werden können, konnten wir in Zusammenarbeit mit einem regional ansässigen Integrationsbetrieb einkochen. Diese aufgewerteten Überschüsse haben zudem einen positiven Einfluss auf die Zusammenstellung der Pakete. Durch diese Zusammenarbeit konnten wir ausserdem gespendete Waren in Grosspackungen zu Haushaltsgrössen umpacken und so sinnvoll zugänglich machen.
  5. Zusammenarbeit mit karitativen Partnern und Organisationen
    Die Zusammenarbeit mit Food Care Ostschweiz erwies sich auch in diesem Durchgang als stabil und offen für all unsere Vorschläge und neue Möglichkeiten. Von einem weiteren karitativen Partner durften wir eine Lieferung mit haltbaren Trockenprodukten wie Suppen, Bouillon, Bratensauce abholen. Weiterer Austausch fand nicht statt. Die in Aussicht gestellte Unterstützung durch die Lieferung von haltbaren Lebensmitteln von einem dritten karitativen Partner wurde widerrufen.

Budget

Das veranschlagte Budget wurde eingehalten, Verschiebungen gegenüber dem Plan gab es bei Organisationsaufwand und Materialeinkauf zugunsten der Chance, regionale Überschüsse haltbar zu machen. Die Aufstellung und Schlussabrechnung sind im Anhang 1 ersichtlich: Budget und effektive Kosten.

Fazit und Ausblick

Einige Learnings aus den vergangenen Monaten:

  • Die regionale/lokale Ausrichtung bringt Lösungsansätze zutage, die in einer nationalen Struktur kaum gefunden oder genutzt werden können. Diese haben einen positiven Einfluss auf das Projekt als Ganzes, die Zusammenstellung der Pakete und die Vernetzung mit weiteren Hilfsangeboten.
  • Kleine und Mittelgrosse Spenden sind verhältnismässig einfach abzufragen und werden häufig einfacher gesprochen als Grossspenden. Alle paar Wochen einige hundert Kilo Kartoffeln oder alle paar Tage aussortiertes Gemüse sind absolut organisierbar.
  • Soziale Integrationsbetriebe haben Interesse an Arbeiten in solchen Netzwerkprojekten zugunsten von wirtschaftlich schwächeren Teilen der Gesellschaft. Gleichzeitig einen Beitrag an ökologische Ziele zu leisten, ist teilweise ein zusätzlicher Anreiz. Manche Programme sind voll finanziert und suchen sinnvolle Arbeit, damit die erhaltenen Gelder nachhaltig eingesetzt sind. Andere könnten sich solche Arbeit gut vorstellen, müssen aber die Kostendeckungsfrage klären.

Das Pilotprojekt in Arbon zeigt: Der Bedarf nach einer dezentralen Struktur in der Umverteilung von Lebensmittel-Überschüssen ist real und das Potenzial ist gegeben. Der Ausbau des Projekts würde einerseits mehr Verwertung und eine bessere Abdeckung für Unterstützung von Armutsbetroffenen leisten.

Weiter stellen wir fest, dass aus einer solchen Plattform auch ein zusätzlicher Grad an Vernetzung und Wissen zwischen bestehenden Akteurinnen und Akteuren entstehen kann, der wiederum die offensichtlichen Effekte skaliert.

Die Gespräche mit interessierten Produzent/innen, potentiellen Partnerorganisationen und unseren Ansprechpersonen bei der Post haben ergeben, dass ein regionaler Ansatz für die Weiterführung sehr vielversprechend ist:

  • Regionale Netzwerke von Produzenten können ihre Überschüsse effizient abgeben.
  • Die Logistik kann via Briefpost-Infrastruktur die grossen Verteilzentren umgehen und ermöglicht so bessere Konditionen.
  • Bei einer regionalen Verteilung können auch unempfindliche Frischwaren aus der Landwirtschaft berücksichtigt werden.
  • Städte und Gemeinden können aktiv und zielgerichtet darauf hinwirken, die Situation ihrer Bevölkerung am oder unter dem Existenzminimum zu verbessern.

Dokumentation und Wegleitung

Aus den gesammelten Erkenntnissen entsteht ein Leitfaden, der die Anforderungen an eine regionale Implementierung und die konkreten Schritte zur Umsetzung skizziert.

Das Dokument wird im ersten Quartal 2022 publiziert und steht allen Akteurinnen und Akteuren kostenlos zur Verfügung, die

  • einen Beitrag an die Ziele der Agenda 2030 leisten wollen, indem sie proaktiv die SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden), 13 (Climate Action) und 2 (Kein Hunger) adressieren.
  • ihr lokales und regionales Gewerbe im Umgang mit einer nachhaltigeren Wertschöpfungskette unterstützen wollen.
  • an einer zukunftsfähigen und resilienten Unterstützung für wirtschaftlich schwachen Menschen interessiert sind.

Danksagung

Die Durchführung dieses Pilotprojekts wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung der folgenden Partnerinnen und Partner:

Stiftung Mercator Schweiz

Ohne die Unterstützung durch die Mercator Stiftung Schweiz im Rahmen des Ideen-Labors und die finanzielle Beteiligung wäre es nicht möglich gewesen, das Pilotprojekt zu realisieren. Wir sind dankbar dafür, dass die Verantwortlichen die Problemstellung sofort erkannt haben, die wir ihnen präsentierten und uns ermöglicht haben, zukunftsfähigen und tragfähigen Ansätzen nachzugehen.

Stadt Arbon

Danke an die Stadt Arbon, speziell an Reto Stacher, Leiter Bereich Gesellschaft der Stadt Arbon. Die unkomplizierte Projektzusage, der regelmässige Austausch und das zur Verfügung stehen als Sparring Partner sind die Pfeiler, auf denen diese Pilotdurchführung steht. Nur durch diese Zusammenarbeit war es möglich, die regionale Verankerung zu testen und jeden sich bietenden Ansatz für Optimierung oder Ausbau in den Versuch einzubeziehen.

Food-Care Ostschweiz

Die kurzfristige Beschaffung der Ware wäre ohne die uneingeschränkte Unterstützung von Food-Care Ostschweiz nicht möglich gewesen. Herzlichen Dank auch für das zur Verfügung stellen von Lager- und Logistik-Kapazitäten.

Basis-Station Amriswil 

Das Integrationsprojekt Basis-Station in Amriswil hat uns nicht nur die Konfektion der Pakete abgenommen, sondern einen wichtigen Schritt ermöglicht: Das Verarbeiten von nicht haltbarem Überschuss und das Umpacken von ungeeigneten Gebinden in Haushaltsgrössen. Herzlichen Dank für die unkomplizierte Zusammenarbeit und die grosse Unterstützung.

Die Post

Der Versand einzelner schweizweiter Versände zum Abbau der Lagerwaren, wurden von der schweizerischen Post gesponsert. Für Umsetzung der regionalen Zustellung durften wir auf das tolle Team der Briefzustellregion St.Gallen-Appenzell zählen. Vielen Dank dafür!

Produzierende Betriebe und andere Organisationen
Einige Partnerinnen und Partner haben uns schon während dieser kurzen Zeit mit Produkt- und Materialspenden unterstützt, auch ihnen gebührt unser herzlicher Dank:

  • Öpfelfarm, Steinebrunn TG
  • eine karitative Organisation (keine Nennung gewünscht, da noch keine formalisierte Zusammenarbeit)
  • Friedlis Hofladen, Amriswil TG (Früchte und Gemüse)
  • Familie Altwegg, Kradolf TG (Kartoffeln)
  • Milchschafhof, Roggwil TG
  • Landwirtschaftsbetrieb mit Knoblauch, TG
  • Bäckerei Mohn, Sulgen TG
  • Bee-Family, Frasnacht TG
  • STATEMENT AG (Vegane Getränke)
  • Hero AG, Lenzburg

Weitere aus dem Projekt entstandene Kontakte haben uns bereits in dieser kurzen Zeit ermöglicht, zusätzliche Warenüberschüsse zu vermitteln und den Grundstein für eine weitere Zusammenarbeit zu legen:

  • My Gusto GmbH, Amriswil
  • Zuger Rigi Chriesi AG, Rotkreuz
Gerne stellen wir interessierten Personen und/oder Organisationen den Schlussbericht als pdf inkl. Anhängen zur Verfügung. Hier finden Sie unsere Kontaktinformationen.

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